Es ist ein sensibles Thema und für jedes Elternteil ein Prozess des Lernens: Wie viel Nachmittagsprogramm, Verabredungen dienen meinem Kind eigentlich, sodass mein Kind in seiner Kraft bleibt und gleichzeitig in seinen Interessen gefördert wird?

Es ist ein Drahtseilakt, der viel Hingabe von Eltern an das Wesen des Kindes in der heutigen Zeit braucht und wie ein Barometer ständige Führung und Flexibilität verlangt.

Wenn Kinder von morgens bis abends in Einrichtungen und anschließend in Freizeitaktivitäten sind, haben sie wenig Raum,
um einfach nur für sich zu sein,
um sich auszuruhen,
um das Erlebte zu integrieren
und sich selbst zu spüren.

Unser Geschenk an die Kinder ist es daher individuell und regelmäßig zu schauen, wie viele Aktivitäten und Verabredungen am Nachmittag dem Kind wirklich gut tun.

Doch wie stellen wir das an? Wie können wir das innere Barometer des eigenen Kindes verstehen lernen, entschlüsseln?

Es ist, wenn wir Erwachsenen uns auf Augenhöhe mit dem Kind begeben und in die Welt des Kindes mit abtauchen, dass sich uns viele Geschenke im Miteinander öffnen. Wenn wir es schaffen, spielerisch eine Brücke zu bauen, zwischen dem Erlebten/den Erfahrungen des Kindes im Alltag und seiner inneren Welt, passiert „gesehen werden“.

Es darf dabei auch für uns Eltern ganz einfach sein. Denn oft machen wir uns auch als Eltern Druck dem Kind gerecht zu werden, alles „richtig“ zu machen.

Hier ist ein Impuls: Wie wäre es, wenn wir dem Kind einfach eine Frage stellen und uns anschließend innerlich liebevoll zurücklehnen und einfach nur zuhören. Wenn wir dem Kind bewusst den Raum geben sich mitteilen zu können, mit dem was gerade da ist. Wenn wir einfach nur mit unserem Kind präsent sind, offen. Oft ist die Zeit vor dem zu Bett gehen dafür eine heilige Zeit, in der Kinder gerne nochmal berichten. Es ist ein sich einlassen, ein neugierig sein von uns Erwachsenen, durch das sich die Kinder öffnen.

Wir lernen dabei wieder durch Kindesaugen zu sehen.

Wir erleben die Welt des Kindes durch seine ganz eigene Realität. Was für ein riesen Geschenk! In die Welt des Kindes abzutauchen, ohne zu bewerten, verstehen und interpretieren zu wollen, ist ein großes Geschenk durch das eine neue Form der Kommunikation zwischen Eltern und Kinder möglich wird. Das Kind erlebt, das es ernst genommen wird und gewinnt Vertrauen. Es fühlt sich sicher, gehört und geborgen.

Wenn wir diese Ebene des Vertrauens und des offenen Zuhörens schenken, können wir dem Kind auch eine Brücke zum eigenen Körper bauen.

Wir können durch unsere Beobachterrolle die Gefühle des Kindes benennen helfen. Wir können Fragen stellen wie: Wie hat es sich für dich angefühlt? Wie hast du dich in dieser Situation gefühlt? Traurig, hilflos, wütend… und dann abwarten was das Kind darauf entgegnet. Es hilft dem Kind die Gefühle im Körper zu verstehen und sie Ernst zu nehmen. Und in eine Selbstwahrnehmung zu kommen, die heilsam für den Alltag ist.

Wir Erwachsenen kennen es doch gut, dass wir manchmal so angespannt in Alltagssituationen sind und sogar unseren Atem anhalten. Es wird uns oft gar nicht mal mehr bewusst, sondern erst wenn wir erste Schmerzsymptome fühlen. Wir haben diesen von innen heraus beobachtenden Blick für uns selbst verlernt und somit das Geschenk unseren Körper wie eine Landkarte für unser Erlebtes und vor allem Verdautes zu erkennen. Das Geschenk durch unseren Körper hindurch zu wachsen, zu integrieren, zu lieben, zu erleben.

Alleine deine Hingabe und Präsenz mit deinem Kind schafft eine vertrauensvolle, tiefe Verbindung aus der heraus auch du das Wesen deines Kindes besser sehen und führen kannst. Je mehr du in dein Kind / in die Welt deines Kindes abtauchst, entdecken möchtest, desto leichter finden sich die Wege spielerisch miteinander zu fließen. Du erkennst dann die Signale, wo dein Kind gerade mit seinem Energiehaushalt steht – ob es den Input, den es die Woche über bekommt verdauen kann. Ob es sich genährt und lebendig fühlt, oder erschlagen und erschöpft. Du siehst es ob die Augen leuchten, ob es Lust hat den Tag zu beginnen.

Anhand dieser wundervollen Körpersignale können wir Eltern schon viel von unseren Kindern ablesen, lernen und es dementsprechend im Alltag begleiten.

Innerliche Übung

Wenn du darüber hinaus im Vorfeld einer Woche schon mal schauen möchtest, ob der Input für dein Kind verdaubar ist, habe ich hier noch eine innerliche Übung für dich, die du gerne machen kannst.

Im ersten Schritt verbindest du dich innerlich über diese Intension mit der Seele und dem Wesen deines Kindes. Du schaust dann bewusst auf die Woche und lässt dein Kind mal energetisch durch alle Aktivitäten der Woche laufen. Lass es all das erleben, was ihr für die kommende Woche geplant habt. Wie fühlt es sich danach an? Wie sieht es nach dieser Woche aus? Ist es glücklich, lebendig, genährt? Oder vielleicht erschöpft und das System des Kindes hat schon zu gemacht? Was ist dein erster Impuls?

Wenn das System des Kindes bereits gekippt ist, kannst du die Übung nochmal machen und nimmst bewusst vorher eine Aktivität aus dem Kalender innerlich raus. Nimm einfach die erste Sache, die dir in dem Moment kommt und versuche es dann nochmal. Lasse dein Kinder nochmal energetisch durch die nun gesetzte Woche laufen. Wie geht es dem Kind nach dieser Woche?

Mache diese Übung so lange, bis es für dein Kind rund ist. Bis es strahlende Augen nach der Woche hat.

Indem du alleine das Bewusstsein für diese Art von Führung für dein Kind in dir trägst, wirst du automatisch aufmerksam, wenn es anfängt zu kippen und du bekommst ein Gefühl für das Maß, das euch beiden dient und in eurer Kraft bleiben lässt.

Natürlich ist es auch oft ein ausprobieren, ein tanzen mit dem was sich im Alltag ergibt und dem was sich Mama & Kind wünschen. Die Bedürfnisse aller Seiten. Je mehr Achtsamkeit auf eure Verbindung gelegt wird, auf das Sehen der Seelen hinter dem menschlichen Körper und dem Wohlwollen, dass das Kind alles mitbringt und euch beiden zum richtigen Moment schon der Impuls kommt wo es in seinen Stärken unterstützt werden kann, desto organischer entwickelt sich die Gestaltung von Nachmittagen, Einrichtungswahl und Quality Time.

Ich wünsche euch dabei viel Freude und Neugier und viele Geschenke, die sich aus dieser Begegnung ergeben.